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Gesamtschule Gangelt - Selfkant

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Ein Zeitzeuge zu Gast in der Gesamtschule Gangelt-Selfkant

Jack Aldewereled berichtet von seinen Erinnerungen  - er überlebte den Holocaust.

Jack Aldewereled wurde am 2. März 1943 in einem Vorort von Amsterdam geboren. Seinen Vater und seine beiden älteren Brüder lernte er nie kennen, da sie vor seiner Geburt schon in ein Konzentrationslager gebracht wurden und kurz nach ihrer Ankunft dort ermordet wurden.

Dies waren die ersten kurzen und persönlichen Informationen, die er zunächst an die Schülerinnen und Schüler weitergab. Dann begann er seinen Vortrag mit einem Rückblick auf die Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004, die sich um den Indischen Ozean ereignete. Dabei kamen auf einem Schlag 230.000 Menschen ums Leben. Aber worauf wollte er damit hinaus? Was hatte diese Katastrophe mit seinen Erlebnissen gemeinsam? Im Grunde genommen nur, dass viele Menschen ihr Leben in kurzer Zeit verloren. Ein Tsunami in diesem Ausmaß ist eine Naturkatastrophe, die von Menschen nicht beeinflussbar ist. Sie kann auch nicht gestoppt werden, haben sich die Tsunamiwellen erst einmal in Bewegung gesetzt.

Die Vernichtung der Juden und anderer unliebsamer Bevölkerungsgruppen zur Zeit der Nationalsozialisten war dagegen von Menschen veranlasst, und hier hätte man gegensteuern können. Hat es aber nicht gemacht! Das Attentat und der Mordversuch durch Graf von Stauffenberg an Hitler kamen zu spät. Und auch hier mussten dann mutige Menschen ihr Leben lassen.

Jack Aldewereled zeigte kurz einzelne Daten auf, angefangen von Hitlers Geburt im Jahre 1889 in Braunau/Österreich, seine Teilnahme als Gefreiter im ersten Weltkrieg, seine Machtübernahme im Januar 1933 als deutscher Reichskanzler. Und schon kurz danach begannen auch schon erste Maßnahmen, die die Juden aus der Gesellschaft herausdrängen sollten: 1934 der erste Boykottaufruf gegen Juden, am 9./10. November 1938 die Reichskristallnacht, die auch als Pogrom gegen Juden in Deutschland in die Geschichte eingegangen ist. Das Volk war und wurde gezielt aufgehetzt und zeigte seinen Hass gegen die „unliebsamen Mitbürger“.

Am 9. und 10. Mai 1940 marschierte die deutsche Wehrmacht in die Niederlande ein und am 14. Mai wurde Rotterdam in einen Bombenhagel gelegt. Viele Niederländer kamen ums Leben.

Die Bevölkerung musste sich an die deutschen Wehrmachtssoldaten gewöhnen, sich den Gesetzen und Verordnungen beugen, was aber auch zu Widerständen führte. Auch gerieten die niederländischen Juden schnell ins Visier der Nazis und auch hier kam es nach dem Einmarsch schnell zu ersten Verschleppungen und Deportationen. Die Familie unseres Zeitzeugen war davon betroffen. Mit den niederländischen Streikenden, die sich gegen die Wehrmacht wehrten, machten die Besatzer kurzen Prozess. Sie wurden zusammengetrieben und ermordet. Der Widerstand der Niederländer wurde damit aber nicht gebrochen.

Aber es gab auch Mitläufer: Niederländer, die sich zur Wehrmacht meldeten oder mit der NSB kooperierten; eine Verbindung, die der SS sehr nahe stand. 50.000 Niederländer sollen es gewesen sein.

Im Jahre 1942 fand in Berlin die Wannseekonferenz statt und dort wurde das Schicksal der Juden, die im gesamten Deutschen Reich lebten, besiegelt. Die Deportationen in die Vernichtungslager begannen. Die so genannte Endlösung begann.

In den Niederlanden, vielleicht auch in anderen Ländern, erhielten die Bürger, die Juden der Wehrmacht meldeten, für jeden dann gefassten Juden einen Betrag von 7,50 Gulden. So wurden wohl auch der Vater und die beiden Brüder unseres Zeitzeugen verraten. Es wurde also „Blutgeld“ gezahlt.

Die Schwester von Jack Aldewereled hatte dagegen Glück im Unglück. Bei den Vorbereitungen zu einem Essen verbrühte sie sich den Oberschenkel und wurde von einer Nachbarin ins Krankenhaus gebracht. Als sie später aus dem Krankenhaus nach Hause kam, war ihre Mutter nicht mehr da. Sie war in der Zwischenzeit abtransportiert worden. Die Nachbarin nahm sich Jack und seiner Schwester Fanny an. Jack war gerade einmal 6 Monate alt und kam nach Brunssum in eine „Art Kinderheim“. Von dort wurde er zu Pflegeeltern ver-mittelt. Für die Nachbarn der neuen Pflegefamilie war er kein Jude, sondern ein Leidtragender, ein Opfer der Bombardierung Rotterdams, der seine Eltern im Bombenhagel verloren hatte. Er hatte aber ein neues Zuhause gefunden.

Die von den Nationalsozialisten erlassenen Gesetze drängten die Juden immer mehr aus dem Gesellschaftsleben hinaus und es wurde wieder einmal eine Kennzeichnungspflicht eingeführt: Juden erkannte man sofort am Judenstern, der sie von der übrigen Bevölkerung unterschied.

Die Deportationen in die Konzentrationslager erfolgten in Viehwaggons. In Auschwitz z. B. hatten diese Züge ihre Entladerampen direkt vor dem Konzentrationslager. „Arbeit macht frei“ stand über dem Eingangstor des Lagers, ein Hohn für das, was danach passieren sollte.

Sofort nach der Ankunft fand eine Trennung der Familien statt. Die Männer, die arbeitsfähig waren, kamen in die Unterkunftsbaracken, Frauen, Kinder und alte und gebrechliche Menschen kamen in die „Gasduschen“, wo sie dann qualvoll starben.

Jack Aldewereled kam zu Pflegeeltern, wo er ohne Ängste aufwachsen konnte. Der Verbleib der Kinder aus dem Heim wurde dokumentiert und man konnte nachvollziehen, wo diese jüdischen Kinder eine neue Familie gefunden hatten. So war es auch nicht allzu schwierig, nach 40 Jahren ein Wiedersehenstreffen zu organisieren, dass diese Kinder zusammenführte, teilweise dann auch zusammen mit ihren Pflegeeltern.

Den Menschen, die in Brunssum diesen jüdischen Kindern geholfen haben, wurde ein Denkmal gesetzt – als Dank für ihre Hilfe!

Wir leben mittlerweile in Deutschland, in den Niederlanden, in Europa in Freiheit, und diese Freiheit haben wir auch den Soldaten zu verdanken, die auf Seiten der Alliierten gegen Nazi-Deutschland gekämpft haben. Dies sollen wir nicht vergessen. Und dieser Appell wurde dahingehend noch von Jack Aldewereled erweitert, in dem er an die aktuellen Flüchtlingsprobleme erinnerte und Hilfe einforderte.

Für die Schülerinnen und Schüler war die Begegnung mit einem Zeitzeugen aus der Zeit des 2.Weltkrieges schon etwas Besonderes. Sie folgten dem Vortrag mit großem Interesse. Auch konnte man bei Jack Aldewereled merken, dass auch noch 61 Jahren nach Ende des 2. Weltkrieges die  Geschehnisse noch nicht aufgearbeitet waren und sind. Er hat seine Eltern, seine Brüder verloren. Sie sind in den Konzentrationslagern umgebracht worden. Aber aus seinen Ausführungen sprach kein Hass, sondern sein Vortrag soll Mahnung sein, so dass wir ein solches Desaster nicht mehr erleben müssen.

Danke Jack Aldewereled für diesen Vortrag!!

Bernd Gödde-Knippen

Gesamtschule Gangelt-Selfkant